Jesus zeigt uns den Weg
untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt, und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war. In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus. (Mk 1,29-39)
„Wir wissen den Weg nicht mehr“
Das Wort „wir wissen den Weg nicht mehr“ ist wie ein Hilfeschrei. Und dieses Verlangen nach dem Heil wird im oben erwähnten Evangelium auch erkennbar, wenn es heisst „man brachte alle Kranken und Besessenen zu ihm. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt… alle suchen dich“ (Mk 1,32). Von Jesus wird der richtige Weg erwartet; deshalb muss seine Gemeinde immer wieder auf diesen Weg einschwenken, wenn sie Orientierung geben will. Das Evangelium berichtet, dass Jesus „sich an einen einsamen Ort begab, um zu beten“ (Mk 1,35). Trotz der vielen Menschen, die ihn bedrängen, trotz der körperlichen und seelischen Nöte, die die Menschen belasten, nimmt er sich Zeit für das Gebet. Wir könnten kritisch zurückfragen, ob der Evangelist, der uns das Verhalten Jesu vor Augen stellt, unsere Probleme erkannt hat: Die Zerrissenheit der Familien, die beruflichen Konkurrenzen, die Hektik unserer Zeit, das Erfolgsdenken der Menschen usw. usw. Müssen wir nicht heute unter erschwerten Bedingungen leben?
Das Evangelium erzählt weiter, wie Jesus „viele heilte, die an mancherlei Krankheiten litten, und viele Dämonen austrieb“ (Mk 1,34). Es geht nicht darum, um welche wunderbare Weise er geheilt hat. Der Evangelist möchte beschreiben, wie ernst Jesus die Menschen nimmt, sogar in ihren körperlichen Gebrechen. Heute wissen wir, dass Menschen, die nur für sich leben, krank werden. So ist keine menschliche Entfaltung möglich, so kann kein Lebenssinn gefunden werden. Damit sind auch alle Wege zum eigenen Glück verbaut. Wir können zwar nicht alle Krankheiten der Menschen beseitigen, aber wir können doch für sie Zeit aufbringen, Sorge teilen, Kreuze tragen helfen. „Verschenkte Zeit ist verschenkte Liebe“ sagt ein Sprichwort, und Liebe hat heilende Kraft. Aus diesen Gründen sind die Dienste in der Gemeinde so wichtig: Für die Alten, Kranken, Einsamen, Fremden, Neuzugezogenen, religiös Fernstehenden, Hoffnungslosen. Viele Menschen heute wissen den Weg nicht mehr. Die Gemeinde soll Wegzeichen setzen, die sie von Jesus erhalten hat. Das menschliche Leben vollzieht sich in „zweierlei Gnaden“, im Einatmen und Ausatmen, in Abgrenzung und Verschmelzung, in Einkehr und Mitteilung, in sich – Sammeln und Dienen. Beide Pendelschläge geben dem Menschen innere Stabilität.
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